Praxisbeispiel: Altersvorsorge eines selbstständigen Unternehmers
Ausgangssituation
Ein selbstständiger Unternehmer betreibt seit 1991 aktiv Altersvorsorge.
Über die Jahre entstand ein umfangreiches Portfolio mit:
- insgesamt 12 Verträgen
- verteilt auf verschiedene Anbieter und Produkte:
- Rentenversicherungen
- Kapitallebensversicherungen
- Basisrenten
- Riester-Rente (für die Ehefrau)
- Betriebliche Altersvorsorge
- Das Ergebnis: ein typischer „bunter Blumenstrauß“ an Vorsorgelösungen.
Im Folgenden betrachten wir zwei konkrete Verträge, die die Entwicklung solcher Anlagen exemplarisch zeigen.
Hier: Württembergische Lebensversicherung
Vertragsdetails
- Produkt: Kapitalbildende Lebensversicherung
- Beginn: 01.08.1991
- Ende: 31.07.2041
- Todesfallsumme: 150.000 DM
- Startbeitrag: 190,71 DM
- Dynamik: 6 %
- Beitrag 2022: 593,44 € monatlich
Aktueller Stand
- Eingezahlte Beiträge: 99.228,14 €
- Guthaben: 93.395,74 €
- Bisherige Verzinsung: –0,55 %
- Prognose (beitragsfrei): 2,26 %
Bewertung
Nach über 30 Jahren zeigt sich ein ernüchterndes Bild:
- Trotz kontinuierlicher Einzahlungen und Dynamik keine reale Verzinsung
- Prognose liegt nur knapp auf Inflationsniveau
- Ursprüngliche Garantie von 3,5 % gilt nur auf den Sparanteil – nach Kosten
Vorteil:
- Steuerfreie Auszahlung (Altvertrag)
Nachteil:
- Niedrige Rendite relativiert diesen Vorteil deutlich
Fazit:
Der steuerliche Vorteil allein reicht nicht aus, wenn die Kapitalrendite langfristig zu niedrig ist.
Hier: Athora Lebensversicherung (ehemals Delta Lloyd)
Vertragsdetails
- Produkt: Kapitalbildende Rentenversicherung
- Beginn: 01.12.2000
- Ende: 01.12.2031
- Garantierte Ablaufleistung: 195.412 €
- Garantierte Rente: 981,95 €
Beitragsentwicklung
- Startbeitrag: 190,71 DM
- Dynamik: 6 %
- Beitrag 2022: 593,44 € monatlich
Aktueller Stand
- Eingezahlte Beiträge: 99.228,14 €
- Guthaben: 93.395,74 €
- Bisherige Verzinsung: –0,55 %
Gesamtfazit aus der Praxis
Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich:
1. Komplexität ist kein Vorteil
Viele Verträge führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen – oft das Gegenteil.
2. Kosten und Struktur sind entscheidend
- Garantiezinsen beziehen sich nur auf Teilbeträge
- Kosten reduzieren die tatsächliche Rendite erheblich
3. Langfristige Verträge ≠ gute Rendite
Selbst über Jahrzehnte kann die Entwicklung enttäuschend sein.
4. Steuerfreiheit ist kein Allheilmittel
Ein steuerfreier Ertrag bringt wenig, wenn kaum Rendite vorhanden ist.
Wichtige Erkenntnis für Selbstständige
Eine regelmäßige Überprüfung und strategische Optimierung der Altersvorsorge ist unerlässlich.
Besonders wichtig:
- Transparenz der bestehenden Verträge
- Vergleich mit alternativen Anlageformen
- Reduzierung unnötiger Komplexität
- Fokus auf tatsächliche Nettorendite
Fazit in einem Satz
Nicht die Anzahl der Verträge entscheidet über den Erfolg – sondern deren Qualität, Kostenstruktur und Rendite.


