Vertragsprüfung aus der Praxis



von Michael Herzog

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Standard Life FREELAX: Warum Garantien nicht automatisch Sicherheit bedeuten

Viele Renten- und Lebensversicherungen aus den 2000er‑Jahren wurden mit hohen Garantien und einem starken Sicherheitsversprechen verkauft. Doch halten diese Produkte langfristig wirklich, was sie versprechen?

Eine unabhängige Analyse der Standard Life Rentenversicherung FREELAX zeigt exemplarisch, wo die Schwächen klassischer Garantieprodukte liegen – und warum ein kritischer Blick heute wichtiger denn je ist.

Ein Vertrag mit langer Laufzeit – und hohen Einzahlungen

Der untersuchte Vertrag besteht seit 2007 und wurde über viele Jahre konsequent bespart. Durch eine jährliche Beitragsdynamik von 10 % ist der monatliche Beitrag im Laufe der Zeit auf über 400 € angewachsen.

Ziel der Analyse war es, den Vertrag objektiv zu bewerten:

  • Wie wirtschaftlich ist das Produkt wirklich?
  • Wie transparent ist die Kapitalanlage?
  • Und welche Perspektiven bestehen für die Zukunft?

Die Bestandsaufnahme fällt ernüchternd aus

Nach fast 19 Jahren Laufzeit zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Einzahlungen und aktuellem Vertragswert:

  • Eingezahlte Beiträge: ca. 44.800 €
  • Aktuelles Vertragsguthaben: ca. 37.500 €
  • Bisherige Rendite: –2,75 %

Trotz langer Laufzeit liegt der Vertrag damit im Minus – ein Ergebnis, das viele Versicherungsnehmer nicht erwarten.

Die Garantie: Sicherheit mit hoher Renditebremse

Für die verbleibende Laufzeit bis 2049 wird ein Garantiekapital von rund 175.000 € ausgewiesen. Das entspricht aus heutiger Sicht einer jährlichen Verzinsung von lediglich 0,88 %.

Diese Garantie bringt jedoch erhebliche Nachteile mit sich:

  • Sie liegt deutlich unter der langfristigen Inflation.
  • Es droht ein realer Kaufkraftverlust.
  • Große Teile des Kapitals müssen sicher und festverzinslich angelegt werden – zulasten der Renditechancen.

Garantien vermitteln Sicherheit, wirken in der Praxis jedoch häufig als Renditeverhinderer.

Transparenzproblem: Wo bleibt die Rendite?

Besonders kritisch ist die Diskrepanz zwischen der vom Versicherer veröffentlichten Kapitalanlagerendite von über 4 % p. a. und der tatsächlichen Entwicklung des individuellen Vertrages.

Diese Differenz lässt auf hohe Abschluss‑ und laufende Verwaltungskosten schließen. Vor allem durch regelmäßige Dynamikerhöhungen können diese Kosten immer wieder neu anfallen. Für Anleger bleibt häufig unklar, welcher Teil ihrer Beiträge tatsächlich investiert wird.

Lebenslange Rente: Rechnet sich das Modell?

Auch die garantierte lebenslange Rente überzeugt rechnerisch nicht. Um allein das garantierte Kapital über Rentenzahlungen zurückzuerhalten, wären fast 27 Jahre Rentenbezug erforderlich – ohne Berücksichtigung einer Verzinsung.

Zusätzlich problematisch:

  • Es besteht keine Rentengarantiezeit.
  • Im Todesfall kurz nach Rentenbeginn profitiert primär der Versicherer.

Das Langlebigkeitsrisiko liegt damit nahezu vollständig beim Kunden.

Weitere Risiken: Produktsicherheit und Zukunftsfähigkeit

Der Vertrag stellt kein Sondervermögen dar. Im Falle einer Insolvenz des Versicherers ist unklar, in welchem Umfang Garantien tatsächlich geschützt wären.

Hinzu kommt: Das Produkt wurde bereits 2015 vom Markt genommen. Auch das ist ein Punkt, den Anleger bei der Bewertung der Zukunftsfähigkeit berücksichtigen sollten.

Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Das Produkt ist starr und nur begrenzt anpassbar. Dennoch bestehen mehrere Optionen, die individuell geprüft werden sollten:

  • Ablehnung zukünftiger Beitragsdynamiken
  • Prüfung von Rentengarantiezeiten oder Kapitalschutz
  • Beitragsfreistellung
  • Kündigung (unter Inkaufnahme eines Verlustes)
  • Juristische Prüfung einer möglichen Rückabwicklung (Einzelfallentscheidung)

Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation und den langfristigen Zielen ab.

Fazit: Garantien ersetzen keine Anlagestrategie

Diese Analyse zeigt deutlich: Hohe Garantien, Intransparenz und Kosten können langfristig erhebliche Nachteile verursachen. Gerade bei langen Restlaufzeiten lohnt es sich, Alternativen am Kapitalmarkt zu prüfen – etwa transparente, flexible und kosteneffiziente Anlagestrategien.

Fazit:
Nicht jede Garantie bedeutet echte Sicherheit. Oft sind Transparenz, Flexibilität und niedrige Kosten die solidere Grundlage für nachhaltigen Vermögensaufbau